mspro
2010-07-08 19:43:15
http://wirres.net/article/articleview/5612/1/6/#jsid-1278618195-275
Was ich eigentlich sagen wollte: was diplix da in den Kommentaren beschreibt, von wegen abwägen, was denn nun der einzelne Artikel Wert ist, hat marcel weiss letztens "mentale Transaktionskosten" genannt. Fand ich interessant das so zu sehen. Man könnte vermuten: alle Transaktionskosten für Geldbeträge müssen auf einen ähnlichen Wert gesenkt werden, wie die für Information. Im Internet heißt das auf nahezu 0. Flattr ist dabei ziemlich weit gekommen.
mspro
2010-07-08 19:31:01
http://wirres.net/article/articleview/5612/1/6/#jsid-1278617461-588
Sehr schön. Genau das ist es. Man muss es als Möglichkeit des Gebens sehen und nicht des Einnehmens. Ich freue mich über Leute wie Tim Pritlove der zurecht so viel dabei einnimmt, bei all dem was er so vielen an Information zugänglich gemacht hat. Für mich ist es mehr ein Tool, um endlich etwas zurück zu geben. Dass Dogfood dabei eine Geringschätzung wittert und Sacha Lobo und anderen es recht zu machen ist, finde ich erstaunlich, kann das aber aufgrund des krassen Paradigmenwechsels, auf dem Flattr basiert, abstrakt nachvollziehen.
Ich bin auch noch nicht ganz überzeugt, dass das System wirklich dauerhaft funktioniert. Aber man sieht an dem nicht wegredbaren Erfolg schon sehr deutlich, wie richtig die Richtung ist, in die Flattr geht.
dogfood
2010-07-08 11:57:33
http://wirres.net/article/articleview/5612/1/6/#jsid-1278590253-474
Re: "was für eine grossartige, einfache, gerechte und zielgerichtete möglichkeit flattr ist, um guter arbeit anerkennung zu schenken"
Ist Flattr das? Zielgerichtet? Mit wieviel Geld hat du ganz konkret den Blogeintrag von Jens Weinreich "ge-flattr"?
Wie zielgerichtet ist es, den Blogeintrag mit der Währungseinheit "Klick" zu belohnen, von der du am 8.7. nicht weißt, wieviel sie für Jens Weinreich am Ende des Monats wirklich geldwert bedeutet?
Wieviel ist einem der Inhalt wirklich wert, wenn er nur mit einem beliebigen Klick bedacht wird, statt z.B. der Entscheidung des Lesers "das ist mir 50 Cent wert" oder "das ist mir 2 Euro wert". In der Beliebigkeit der Entscheidung des Lesers einfach nur zu "flattrn" statt eine konkrete Entscheidung zu treffen wieviel, liegt IMHO eher eine Geringschätzung als Wertschätzung vor. Der Leser hat es gut gemeint, der Autor bekommt eher das Würgen, wenn am Ende des Monats der eine Klick sage und schreibe 2 Cent wert ist.
Flattr ist keine doofe Idee, vorallem wenn sie den Gedanken des Crowdsourcing verbreitet. Aber in dieser konkreten Umsetzung, mit einem Klick hinter dem ein diffuser, nicht steuerbarer Geldbetrag steckt, kann ich nicht sehr viel anfangen.
ix
2010-07-08 12:47:44
http://wirres.net/article/articleview/5612/1/6/#jsid-1278593264-0
am monatsende sehe ich was meine klicks wert waren. letzten monat ca. 15 cent. am 30. des monats hab ich theoretisch die möglichkeit an der stellschraube zu drehen, z.b. den betrag doch auf 30 oder 40 euro hochzudrehen. jens hab ich zweimal geflattrt, insgesamt dürfte das um die 20-80 cent wert sein, je nachdem was für (spendier-)hosen ich am monatsende anhabe.
zielgerichtet ist das vielleicht nicht auf jens bezogen, aber auf meine interessen. ich flattere was mich interessiert, bewegt oder mir gefällt. das ist allemal zielgerichteter als GEZ, kulturpauschale, leistungsschutzrecht oder auch der gekaufte tagesspiegel. solche bezahlungen sind pauschal und kommen bei den autoren nur auf umwegen an.
die überlegung „mir ist das 50 cent oder 2 euro“ wert ist meiner meinung nach schon wieder viel zu kompliziert. ich glaube 50 klicks ohne diese überlegung, dafür mit weniger gesamtertrag, sind besser als 5 klicks die am ende eines „was-zahl-ich-jetzt“-prozesses stehen. und was soll an 2 cent geringschätzend sein? ist es eine geringschätzung von harald martenstein, wenn ich den tagesspiegel für einen euro kaufe und ich so de-facto gerade mal — hm — zwei cent für ihn bezahle? ist zeitung-kaufen für kleine kaufpreise geringschätzig gegenüber journalisten? der witz am micropayment (micro!) — oder dem zeitungs-geschäftsmodell — ist ja, dass viele leute wenig bezahlen. das soll nicht heissen, dass es nicht auch toll wäre, wenn wenige (oder viele) viel bezahlen.
mal ganz ehrlich: würdest du ernsthaft für jeden artikel den du liest überlegen, was er dir wert ist? würdest du das öffentlich machen? wie würdest du mir erklären, dass du mir nur fünf cent zubilligst, jens aber zwei euro und stefan einen? wäre dieser aufwand, jedesmal so eine entscheidung zu treffen, wirklich etwas was du durchhalten würdest?
[das wäre doch mal ein hashtag für linkempfehlungen in blogs oder tweets: #wert:120 oder #wert:002 oder so]
dogfood
2010-07-08 14:16:23
http://wirres.net/article/articleview/5612/1/6/#jsid-1278598583-832
Du kannst nicht die "Stellschraube Jens Weinreich" sondern nur dein Gesamtbudget verändert. Es kann nicht gewichtet werden. Warum wird ein von dir für gut befundener Jens Weinreich-Artikel im Laufe eines Monats immer weniger wert, weil zufällig in jenem Monat noch andere gute Texte von dir angeklickt werden?
re: "zielgerichtet ist das vielleicht nicht auf jens bezogen, aber auf meine interessen."
Nö, glaube ich nicht. Es würde mich überraschen, wenn du dich in anderen Lebensbereichen mit einer derart "binären" Skala (Klick/Nicht-Klick) zufrieden geben würdest.
re: "das ist allemal zielgerichteter als […]"
Ich fürchte es versaut das Gefühl wieviel ein Text/eine Dienstleistung/ein Produkt wert ist, wenn nicht eine exakte Summe dahinter steht. Es sorgt für eine Distanzierung zwischen Text und Leser.
re: "ist es eine geringschätzung von harald martenstein, wenn ich den tagesspiegel für einen euro kaufe und ich so de-facto gerade mal — hm — zwei cent für ihn bezahle?"
Man müsste mal Harald Martenstein fragen ob er das Tagesspiegel-Honorar gegen einen Flattr-Button austauschen wollen würde.
Re: "der witz am micropayment (micro!) — oder dem zeitungs-geschäftsmodell — ist ja, dass viele leute wenig bezahlen."
Noch witziger wäre es, wenn die Leute SICH BEWUSST sind, wieviel sie zahlen und nicht pi mal Daumen eine Summe schätzen, die bei 20 cent oder vielleicht auch 400% höher liegen könnte.
re: "würdest du ernsthaft für jeden artikel den du liest überlegen, was er dir wert ist?"
Für einen Artikel der es wert ist, von mit wertgeschätzt zu werden, schätze gerne den Wert ein (sic!).
Soviel Nachdenken, soviel Empathie sollte mir ein guter Artikel wert sein, oder? Wenn dir ein Artikel noch nicht einmal das Nachdenken wert ist, wie sehr du ihn geschätzt hast, dann ist er noch nicht einmal zwei Cent wert. Das ist keine Wertschätzung, sondern ein Ablasshandel-Quickie.
Läuft im übrigen auch beim Trinkgeld nicht anders. Man denkt fünf bis zehn Sekunden darüber nach: wieviel war mir die Dienstleistung wert und zahlt entsprechend, verknüpft damit auch ein Signal.
ix
2010-07-08 15:48:51
http://wirres.net/article/articleview/5612/1/6/#jsid-1278604131-105
ich verstehe nicht ganz wieso du ständig auf dem wert-dings rumreitest, bzw. behauptest die wertschätzung für eine arbeit, hänge mit dem betrag den ich zu geben bereit bin zusammen. kaufst du ein zeitschrift mehrfach, wenn sie dir besonders gefällt oder einen besonders tollen artikel enthält (um ihr höhere wertschätzung entgegenzubringen)? ist DVD-leihen den künstlern gegenüber geringschätzender als die DVD zu kaufen? es kommt doch in erster linie nicht (nur) auf den preis an, sondern die wertschätzung an sich. wenn ich die einfach zum ausdruck bringen kann und gleichzeitig auch vergüten kann ist das doch erstmal gut und nicht ausdruck einer geringschätzung oder einer schludrigen och-ganz-gut-das-zeug- oder ablasshandel-quickie-haltung.
(du gibts trinkgeld nach gefallen? ich verknüpfe das trinkgeld immer mit dem rechnungsbetrag. ist es dann eine geringschätzung des kellners, wenn du billigeres oder weniger essen bestellst, weil er dann nur 50 cent, statt 10 euro trinkgeld kassiert? entscheidend ist doch dass man überhaupt trinkgeld gibst. bei der summe halte ich mich an die 10% regel und mache mir nicht den kopf ob es in dem speziellen fall besser 8 oder 12 oder 20 prozent sein sollten.)
es steht mir dann ja nach dem flattern auch offen mich detailierter mit dem artikel auseinanderzusetzen, zum beispiel indem ich drüber schreibe, ihn über den grünen klee lobe, dem autor eine spende zukommen lasse, zu einem bier einlade oder einfach nur den kopf streichle (mach ich mit dem kind manchmal).
martenstein: es ging ja nicht um martensteins haltung zum geldverdienen (die ist offenbar ganz anders als beispielsweise jens weinreichs einstellung dazu), sondern darum ob es geringschätzung ausdrückt, wenn ich für einen zeitungstext oder einen onlinetext nur 2 cent zahle. ich sage nein. du sagst ja.
um jetzt noch ein grosses fass aufzumachen: ich habe hin und wieder das gefühl, dass deutsche vor lauter perfektionismus lieber an funktionierenden, mittelguten lösungen rummäkeln und nach perfekteren lösungen rufen, die sich am ende als zu kompliziert herausstellen oder erst am sanktnimmerleinstag funktionieren. oder anders: obwohl kashingle ziemlich einfach ist, kapiert es im gegenteil zu flattr kaum einer. oder nochmal anders: ich glaube in all seiner beschränktheit, passt flattr hervorragend in die mittlerweile ganz gut funktionierende aufmerksamkeitsökonomie. und in der geht es eben auch darum, möglichkeiten zu schaffen, ohne viel nachdenken, impulsiv und spontan geld zu verteilen und so eher ducrh masse als qualität einnahmen zu generieren. ich glaube da ist es den mechanismen der werbung recht ähnlich. eine PI allein ist, wie ein flattr, nicht viel wert, aber die masse machts.
dogfood
2010-07-09 12:29:08
http://wirres.net/article/articleview/5612/1/6/#jsid-1278678548-328
Ich hatte hier schon einen längeren Sermon stehen, bis ich mit einem Bürokollegen angefangen habe darüber zu diskutieren – der Kollege nahm dabei ungefähr deine Haltung an und ich kann jetzt besser verstehen von welcher Position du herkommst.
Die eine Ecke sagt "bislang hatten wir nix, jetzt haben wir zumindest einen Anfang", die andere Ecke sagt: "ich ahne dass es zu einem schlechten Weg hinführen könnte/wird"
Dieses "es ist der erste Schritt in der Entwicklung"-Argument ist mir so in dieser Deutlichkeit noch nicht bewusst geworden.
Ein weiterer Teil der Diskussion drehte sich um andere Formen der Umsetzung. Zum Beispiel: wenn man, wie ich es mir wünschen würde, einen Button mit verschiedenen Feldern zum Klicken einführen würde "10 Cent", "50 Cent", "2 Euro" hätte man als Leser Bedenken ob man nicht längst schon sein Budget total überziehen würde.
Okay, im Button könnte man auch den Kontostand des Lesers einblenden, um ihn über sein verbleibendes Budget zu informieren.
Folge: man muss leider befürchten, dass zu Monatsanfang kaum was geklickt wird, aus Angst zu früh sein Budget zu verballern.
Wenn man diese und weitere Beispiele für einen Crowdsourcing-Button durchexerziert … kann es vielleicht am Ende des Tages wirklich so sein, dass der von Flattr gewählte Ansatz der effektivste ist, um einen Klickimpuls auszulösen.
Ich habe jetzt jedenfalls erst einmal genug zum Nachdenken.
Addliss
2010-07-08 06:59:48
http://wirres.net/article/articleview/5612/1/6/#jsid-1278572388-658
Och, die Überschrift finde ich ganz nett! :)
Ansonsten volle Zustimmung zu deinen Worten. Ich denke doch aber, dass viele von der Finanzierung sprechen, da wir eine Erwerbsgesellschaft haben. Man muss arbeiten und damit Geld verdienen, um "überleben" zu können. Daher schauen die Leute auch drauf, ob sie für ihre Arbeit, die sie im Online-Journalismus leisten, auch eine Art Entlohnung bekommen. Sollte die groß genug sein, könnten sie es in Vollzeit betreiben. (Ob du jetzt deinen Vollzeit-Job aus Überzeugung weiter machen würdest, kann ich nicht sagen. Einige würden es aber bestimmt nicht. Siehe MC Winkel. ;) )
Man erzieht die Menschen durch ein bestimmtes Wirtschaftssystem zu einer bestimmten Denkweise. Das kann in jeder Richtung problematisch werden.
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